Happy - einige kritische Anmerkungen
( dieser Text ist Mitte 1990 enstanden, als ich voller Frust und Wut über das Unverständnis und die Unverschämtheiten meiner zweibeinigen Umwelt war, die meinten, alles besser zu wissen und auch entscheiden zu können, welches Lebewesen am Leben bleiben durfte und welches nicht)Happy ist ein Boxer, wie er im Buche steht - mit einer Ausnahme: Sie hat (lt. Standard) die falsche Farbe.
Gemäß der Rassekennzeichen des Deutschen Boxers, nämlich des sogenannten Standards, sind die Farben nur mit gelb und gestromt anerkannt (nebst Zwischenstufen); der Standardboxer hat außerdem ein schwarze Maske. Unschöne weiße Abzeichen, wie auch ein ganz oder halbseitig weißer Kopf sind fehlerhaft. Andersfarbige Boxer, deren Grundfarbe mehr als ein drittel weiß ist, entsprechen nicht dem Standard.
Happy ist ein nicht dem Standard entsprechender Boxer, der "fehlerhaft" ist. Sie hat - unbestritten - mehr als ein Drittel weiß, ferner ist ihr Kopf ganz weiß. Ihre Fehlerhaftigkeit besteht also deshalb, weil sie zu rund 98% weiß ist (mit vereinzelten gestromten Flecken an den Ohren und Augen). Gemäß der Ahnentafel des Boxer-Klub e.V. handelt es sich um eine Hündin, Farbe scheck.
Der übliche Werdegang eines solchen "fehlerhaften" Boxers ist nur einer : Ab in die Tonne, wie ein nicht ungewöhnlicher Züchterspruch beim Angesicht eines weißen Welpens - unmittelbar nach der Geburt - heißt.
Happy hat das unglaubliche Glück gehabt, bei Menschen auf die Welt zu kommen, die sich nicht nur als Züchter sondern - und vor allen Dingen - als Tierschützer betrachten.
Es war für die Züchter beim Anblick von Happy keine Frage, daß dieser Welpe nicht den Weg in die Tonne nimmt; als lebensfähiges Tier hatte sie - genau wie ihre Wurfgeschwister - einen Anspruch auf ihr Leben.
Es ist schon erstaunlich, daß so wenig weiße Boxer (nicht Albinos) am Leben bleiben dürfen; auf den Boxerplätzen, auf Spaziergängen etc. : wann sieht man schon mal einen weißen Boxer ?
In einer Statistik, die in den Boxer-Blättern veröffentlicht wurde (Computerauszug) waren von den erfaßtenWelpen rund 10% weiße Welpen; nicht hierbei sind die Welpen erfaßt, die sofort bei der Geburt, vor der Besichtigung durch den Zuchtwart, den Weg alles Unnützen gingen.
Es macht mich doch schon sehr nachdenklich, daß fast alle weißen Welpen lebensunfähig gewesen seien sollen - oder haben Sie schon so viele weiße Boxer gesehen ??.
Happy ist ein Ausbund an Leben, der die Lebensfreude aus sämtlichen "Poren" sprießt.
Wenn ich mir vorstelle, wie andere Züchter über Leben oder Nichtleben von Happy entschieden hätten, gerate ich in eine gespaltene Gefühlswelt: Einerseits werde ich wütend über Menschen, die meinen, das Recht zu haben, über das Leben oder Nichtleben anderer Kreaturen zu entscheiden, die nicht einem sogenannten Standard entsprechen; andererseits treten mir Tränen in die Augen vor Trauer über die Boxer, die nicht das gleiche Recht zugestanden bekommen haben wie Happy - nämlich die Chance auf ein glückliches Leben.
Happy ist ein Boxer, der jeden, der nicht gerade ein "Standard"fresser ist, mit ihrem Charme und ihrer Lebensfreude für sich einnimmt.
Mein Anliegen als "Boxer"freund seit über 30 Jahren ist, der Umwelt zu zeigen, daß auch ein weißer Boxer ein Recht auf Leben hat.
Der einmal festgesetzte Standard - ob richtig oder nicht - darf nicht dazu führen, daß Tiere, die nicht diesem Standard entsprechen, keine Daseinsberechtigung haben; nur weil es dem Namen oder Ruf (!?) des Zwingers schadet und mit "Weißen" ja kein Geld verdient werden kann.
Der vom Boxer-Klub gesetzte Standard in der Fassung vom 14.1.1902 setzte die Farbe des Boxers als letztes Kriterium auf die Liste der Merkmale. "Die Farbe darf erst in allerletzter Linie, auch wenn Tiere mit weißer Grundfarbe in Betracht kommen, ausschlaggebend sein, und zwar ist dann von zwei sonst durchaus gleichartigen Hunden derjenige mit weniger weiß vorzuziehen.
Der heutige Standard resultiert aus demjenigen von 1905 im Wesentlichen mit der Ausnahme, daß 1925 die weißen Boxer und 1938 (!) die Schecken ausgeschieden wurden.
Das Weiß immer noch ein Bestandteil unserer Boxer ist, zeigt sich in der Tatsache, daß fast 10% der neugeborenen Welpen weiß oder gescheckt sind.
Das Ausmerzen der Weißen und Schecken ist ein Zeichen der heutigen Zeit, in dem nur das gut ist, was in irgendeine Schublade hineinpaßt -- Hauptsache das Äußere (Farbe) entspricht dem Standard.
Ich möchte hier nicht mißverstanden werden: mein Anliegen für die weißen Boxer heißt nicht, daß in Zukunft weiße Boxer gezüchtet werden sollen; aber wenn ein lebensfähiger Boxer geboren wird, soll er nicht wegen seiner Farbe getötet werden.
Es kann in unserer so - angeblich - aufgeklärten Hundewelt doch nicht angehen, daß ein Boxer nur dann ein Boxer ist, wenn die Farbe stimmt.
Das, was mich - und natürlich noch viele andere - für unsere Boxer einnimmt, ist doch in erster Linie das Wesen: freundlich, friedlich, heiter, treu, temperamentvoll, ruhig, unerschrocken, lieb und friedlich gegenüber Kindern etc.
Es ist m.E. nach schon erstaunlich, daß der heutige gültige Standard das Wesen unserer Boxer erst an 12. Stelle aufführt, Optik ist eben wichtiger als Gesundheit und Wesen.
Es kann nicht angehen, daß ich angefeindet werde von angeblichen "Boxerfreunden", wenn ich mich mit meinem weißen Boxer irgendwo sehen lasse. Neugierde der Betrachter ist ja in Ordnung, auch die Frage nach der Lebensfähigkeit des angeblichen Albinos ( alle weißen Boxer sind automatisch nichtlebensfähige Albinos). Ich kläre die Betrachter gerne auf und versuche ihnen klar zu machen, daß Happy ein ganz "normaler" Boxer ist, der nur zufällig nicht die "richtige" Farbe hat; mehrere Leute - anfängliche Zweifler- habe ich durch lange Gespräche schon auf Happy´s Seite bekommen können. Schlimm wird es erst, wenn die "Fanatiker" zu Wort kommen, die uns regelrecht anfeinden - denn jeder, der einen weißen Boxer hält, gehört ausgeschlossen aus allem, was mit ernsthaften "Boxerliebhabern" zu tun hat; es entspricht nicht dem Standard und gehört deshalb quasi verboten. Sprüche wie: er gehört getötet; der gehört vor die Wand geschlagen etc. sind leider keine Ausnahme. Diese Leute kann ich zwar nicht für voll nehmen, aber es tut doch etwas weh: was machen diese Menschen mit ihren Hunden, wenn die aus Alters - oder sonstigen Gründen nicht mehr dem Standard entsprechen? Sind diese Hunde dann ( wenn sie ausgesprochenes Glück haben) in "andere gute Hände" zu geben?? oder landen die an irgendeiner Autobahnraststätte??
7..5.95
Um den Zweiflern insbesondere aber den vorurteilsfreien Hundefreunden ein wenig Einblick in Happy´s Leben zu geben, habe ich die von Happy erzählten Geschichten zusammengestellt, die ich vielleicht hier bald mal zeigen werde
Happy hat mir - je nach Lust und Laune - bei manchen Gelegenheiten eine Geschichte diktiert, um ihre Eindrücke einmal zusammenzufassen.